Feb 09 2008
Gemeinsame Erklärung zur Schulzeitverkürzung in Nordrhein-Westfalen - Erwartungen, Erfahrungen, Erfordernisse -
Im dritten Jahr der Schulzeitverkürzung an Gymnasien in Nordrhein-Westfalen stellen sich aufgrund der zwischenzeitlich gewonnenen Erfahrungen eine Reihe von schulorganisatorischen Fragen. Weitere sinnvolle schulpolitische Entscheidungen sind erforderlich, um den pädagogischen Erfordernissen Rechung zu tragen und die notwendige Akzeptanz bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrern für die Schulzeitverkürzung zu erhöhen. Die Erfahrungen und Erwartungen im Rahmen der Umsetzung der Schulzeitverkürzung in NRW waren daher Anlass für ein Gespräch, zu dem der Philologen-Verband, die Landeselternschaft der Gymnasien sowie die Rheinische und Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigungen bereits vor Wochen den Staatssekretär des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und weitere Vertreter des Ministeriums eingeladen hatten. Das Gespräch fand Ende Januar 2008 statt.Alle Gesprächsteilnehmer waren sich darin einig, dass die Leitentscheidung zur Schulzeitverkürzung nicht in Frage gestellt wird. Ebenso begrüßen sie die Vorgaben der 3-jährigen Oberstufe und den Umfang von insgesamt 265 Stunden an Gymnasien. Einvernehmen bestand gleichermaßen darin, dass nur ein ausgewogenes, tragfähiges pädagogisches Gesamtkonzept für Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern Akzeptanz und Zustimmung zur achtjährigen Schulzeit an Gymnasien erwarten lässt.
Viele Kinder klagen beispielsweise über zunehmende Belastungen, die nicht zuletzt wegen des verstärkten nachmittäglichen Unterrichts auftreten. Eltern gehen davon aus, dass die Über-Mittag-Betreuung gesichert ist. Lehrkräfte fordern u.a. eine Präzisierung der neuen, auf die Schulzeitverkürzung bezogenen Kernlehrpläne, aus der hervorgeht, welche Unterrichtsinhalte künftig verzichtbar sind.
Das Gespräch aller Beteiligten erbrachte eine Reihe konkreter Absprachen. So soll in der 5. und 6. Jahrgangsstufe maximal an einem Nachmittag unterrichtet werden. In den Jahrgangsstufen 7 und 8 soll sich der Nachmittagsunterricht auf zwei Nachmittage in der Woche beschränken. Klassenarbeiten dürfen nachmittags nicht geschrieben werden. Hausaufgaben sollen an Tagen mit Nachmittagsunterricht in den Fächern entfallen, die auch am Folgetag auf dem Stundenplan stehen.
Im Interesse einer höheren Transparenz für die Eltern wird den Schulen geraten, deutlich in den Stundenplänen die 10 – 12 Ergänzungsstunden auszuweisen, insbesondere die zur Verfügung stehenden mindestens 5 Stunden zur individuellen Förderung. Die Verteilung dieser 5 Förderstunden soll gezielt erfolgen. Solche Angebote können klassen- und jahrgangsübergreifend sowie für begrenzte Zeit eingerichtet werden und müssen nicht insgesamt alle Schülerinnen und Schüler erfassen.
Bei Nachmittagsunterricht soll allen Kindern und Jugendlichen eine ausreichende Mittagspause ermöglicht werden. Nur für eine Übergangszeit soll, nicht zuletzt wegen der Anforderungen an die Kommunen ( vgl. Aufenthaltsräume, Mensa, Schülerbeförderung) Probleme auf kommunaler Ebene, eine verkürzte Mittagspause erlaubt sein. Eltern- und Lehrerschaft haben die Erwartung, dass die kommunalen Schulträger, die um 80 Mill. € auf 540 Mill. € jährlich aufgestockte Schulpauschale auch für Investitionen in den Ganztag der Gymnasien einsetzen.
Das Anliegen des Philologen-Verbandes, der Landeselternschaft und der Direktorenvereinigungen wird erfüllt, den Fachkonferenzen ausgearbeitete “Musterlehrpläne” als Serviceleistung anzubieten. Zum neuen Schuljahr sollen in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Latein und Französisch geeignete Informationen zur Verfügung gestellt werden, so dass nicht in jedem Gymnasium neu entschieden werden muss, welche Unterrichtsinhalte verzichtbar sind. Die Beispiel-Lehrpläne decken die Erfordernisse der Kernlehrpläne ab.
Mit den Schulbuchverlagen sollen Gespräche geführt werden, mit dem Ziel, dass bei der Konzeption der Schulbücher deutlicher als bisher die verpflichtenden obligatorischen Unterrichtsinhalte von den fakultativen abgegrenzt und kenntlich gemacht werden können. Eine stärkere Abstimmung der Lehrplaninhalte im Fach Englisch zwischen Grundschule und weiterführenden Schulen ist sinnvoll und erforderlich.
Das Schulministerium sagt zu, sich für eine Ausweitung der Ganztagsschulangebote in den Gymnasien, insbesondere in sozialen Brennpunkten einzusetzen. Auch ist eine weitere Aufstockung von “13 plus” – Mittel für die Gymnasien vorgesehen. Hinreichende personelle Ressourcen sind zur sinnvollen Umsetzung der Schulzeitverkürzung erforderlich.
Nicht zuletzt wegen der konstruktiven Ergebnisse vereinbaren die Gesprächsteilnehmer – bei Bedarf – eine Fortsetzung der Gesprächsrunde. Hinhören, hinschauen und entsprechend handeln hilft unseren Kindern und Jugendlichen, die Schulzeitverkürzung an Gymnasien so anzunehmen und umzusetzen, dass sie ihre Schule als Ort der individuellen Förderung, sozialen Verantwortung und wissenschaftlichen Ausbildung erleben.
gez. Gabriela Custodis
Landeselternschaft der Gymnasien
gez. Konrad Großmann
Rheinische Direktorenvereinigung
gez. Dr. Luise Berg-Ehlers
Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung
gez. Peter Silbernagel
Philologen-Verband NW
Gemeinsame Presseerklärung von:
Landeselternschaft der Gymnasien in NW e.V.
Vorsitzende: Gabriela Custodis
Karlstraße 14
40210 Düsseldorf
Telefon: 0211 / 171 18 83
Rheinische Direktorenvereinigung
Friedrich-Rückert-Gymn.
Vorsitzender: Konrad Grosmann
Rückertstr. 6
40470 Düsseldorf
Telefon: 0211 / 8998310
Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung
Vorsitzende: Dr. Luise Berg-Ehlers
Graf-Engelbert-Schule
Königsallee 77/79
44789 Bochum
Telefon: 0234 / 9 30 20 10
Philologen-Verband NW
Vorsitzender:Peter Silbernagel
Graf-Adolf-Str. 84
40210 Düsseldorf
Telefon: 0211 / 177 44-0